Die Erdinger Turmschieber
Damals als Erding eine Stadt wurde, war sie noch eine kleine Ortschaft, kaum größer als die Dörfer im Moos, Moosinning, Oberding und Eitting. Wenn damals nicht gerade der bayerische Herzog die Burg Trausnitz und die Stadt Landshut angelegt hätte, wäre Erding heute noch ein so kleiner Marktfleck wie Markt Schwaben und Wartenberg.
Ja Wartenberg wäre vielleicht eine Stadt so groß wie Erding oder Moosburg, wenn am Ende nicht noch größer. Als die Burg Trausnitz fertiggestellt war, hat sie der Herzog zu seiner Residenz gemacht. Und als sie einsam am Berg stand ohne irgendetwas um sie herum, hat er unterhalb des Berges die Stadt Landshut angelegt. So konnte er jedem einfachen Landshuter vom Schloss aus in seine Westentasche sehen, nicht mehr nur in seine Suppenschüssel. Weil das für ihn so angenehm war, hat ihm seine Stadt besonders Freude gemacht und er bevorzugte sie von da an.
Weil damals eine Stadt genauso wie heute vom Handel und Wandel gelebt und den Verkehr gebraucht hat, damit die Leute darin ihren Verdienst und Auskommen hatten. Deshalb hat der Herzog den Landshutern die Schranne übergeben auf dass die neue Stadt belebt werde. Denn hier haben die Bauern von der ganzen Umgebung ihr Getreide herbringen müssen, um es am Stadtplatz zu verkaufen. Es muss sicherlich schön gewesen sein, wenn man an einem Schrannentag vom Schloss auf den Stadtplatz blickte und die Leute durcheinanderliefen wie kleine Zwerge und die Pferde und Wagen aussahen wie Kinderspielsachen. Da die Fürsten und großen Herren immer ein Auge auf Landshut und München hatten, haben diese großen Städte entstehen können, obwohl sie aus dem Nichts entstanden, während Freising und Moosburg die bereits seit mehreren Jahrhunderten das Stadtrecht hatten, klein geblieben sind und das Großwerden übersehen haben.
Jetzt da es lauter Eisenbahnen, Autos und andere Vehikel gibt, kann man sich von solch einem Handel und Verkehr und erst recht von einer Schranne keine Idee mehr machen. Und die jungen Leute die es lesen oder erzählt bekommen, sagen höchstens, früher muss es lauter dumme Ochsen gegeben haben, die kein Flohpulver kannten und schon gar kein Schießpulver. Als aber Wartenberg das Schrannenrecht hatte und die Bauern zwischen Landshut und Velden meistens nach Wartenberg fuhren nahm das der Landshuter Schranne viel Geschäft weg. Darum hat der Herzog die Schranne nach Erding verlegt.
Da ist natürlich von Kronwinkl und Bitzham und noch weiter unten keiner mehr gekommen. Da schlug er gleich zwei Fliegen mit einem Streich. Denn da der Bischof von Salzburg, der in Besitz von Altenerding war, das Zoll und Handelsrecht hatte und die umliegenden Bauern von Erding nicht mehr nach Wartenberg auf die Schranne fuhren, sondern die Dinge, die sie brauchten, in Altenerding kauften und auch dort ihr Getreide verkauft haben. Als die Schranne nach Erding verlegt wurde, ist natürlich keiner mehr nach Altenerding gefahren. Für die Wartenberger war das eine unangenehme Geschichte. Aber noch größerer Neid entstand bei den Moosburgern, deren Stadt von Kaiser Karl oder gar schon von Julius Cäsar gegründet geworden ist und die
deshalb die Schranne viel mehr verdient hätten als Erding, dessen Stadt damals erst drei Brot Tage alt gewesen ist. Seit dieser Zeit waren sie sich nicht mehr wohlgesonnen und konnten die Erdinger so lange nicht mehr leiden wie die Geschäfte auf der Schranne liefen, und die hörten erst vor ca. 20 Jahren auf. Jetzt da es in Erding keine Geschäfte auf der Schranne gibt, haben sie sich wieder angenähert.
Damals als die Erdinger die Schranne hatten, waren sie furchtbar stolz und stolzierten wie die Hähne am Berg und grinsten von einem Ohr zum anderen. Sie bauten pompöse Häuser und kleideten sich in Samt und Seide wie die Adligen.
Da sie aber eine so kleine Kirche hatten, die nicht schön anzusehen war, hatten sie keinen anderen Gedanken, als dass eine neue Kirche gebaut werden muss, so groß und so schön, dass sie in der ganzen Gegend einzigartig war. Genau wie die Landshuter Martinskirche, so schön und so groß muss sie werden und den Turm bauen sie noch ein kleines Stück höher wie den Landshuter, so dass er von niemanden mehr übertrumpft werden kann.
Sie bauten eine Kirche der man Respekt zollen musste und die der Stadt heute noch Ehre macht und das größte und höchste Bauwerk ist.
Man musste sich wundern, wie man damals solche Giebel bauen konnte, wenn gleich man der Meinung ist, dass man zu Zeiten ohne Eisenbahn und Auto, in denen die Leute in hölzernen Lehmhütten wohnten nichts erreichte.
Aber so wie auch heute das Geld hart zu verdienen ist, so war es auch damals. Als die Erdinger mit ihrem Kirchenbau fertig waren, waren sie erschöpft und hatten zum Turmbau kein Geld mehr. Das Gute war, dass sie den alten Kirchturm stehen gelassen hatten, sonst hätten sie die Glocken an den Stadtgalgen hängen müssen und die Gauner im Stadtgraben ertränken müssen.
Sie meinten, es wäre das Klügste mit dem Turmbau zu warten, bis bessere Zeiten anbrechen um so dann gleich fest mit dem Selben zu beginnen. Aber dieser Plan wurde durchkreuzt. Statt besseren Zeiten kamen Schlechtere. Mit Krieg, Teuerung und Missjahren. Und alles, was den Leuten das Leben schwer machen konnte, ist ihnen widerfahren. Dass man auf diese Art und Weise den Kirchturmbau übersehen hat, kann man leicht verstehen. Denn ohne Geld lässt sich nichts bauen. Das freute niemand mehr als die Moosburger. Sie haben die Erdinger ausgelacht und geärgert, dass es ein wahres Elend war, dann sie waren ihnen immer noch neidisch, weil sie selbst die Schranne nicht bekommen haben. In dieser Zeit hatten die Moosburger einen Zimmerermeister, der ein sehr geselliger Mensch war, der die Leute bei jeder Gelegenheit auf den Arm nahm und zum Narren hielt, und dem die Späße nie ausgingen. Der sagte einmal zu den Erdingern, eigentlich zu den Magistratsräten, sobald er 100 Golddukaten bezahlt bekommt, würde er den Turm zur Kirche schieben, so dass es aussieht, als wenn er schon immer dort gestanden hätte und kein Mensch würde mehr erkennen, dass es einmal anders gewesen wäre.
Das hat den Erdingern gefallen. Jetzt da sie keinen neuen Turm mehr bauen konnten, wäre es das Einfachste gewesen, den alten an die Kirche zu schieben, denn dann hätte das Ärgern und Auslachen wegen der Kirche ohne Turm ein Ende. Damals musste man nur einen Erdinger fragen, ob sich seine Kirche schämt mit dem alten Turm, weil er so weit weggeruscht stehe.
Oder ob die Kirche sei wie ein Hund, die sich nicht zum Kirchturm traut. Da konnte man schnell eine Tracht Prügel einstecken oder mit einem blutig geschlagenen Rücken nach Hause kommen, den man noch 3 4 Wochen gespürt hat. Beim Ärgern waren die Moosburger die Schlimmeren, da sie die Erdinger am wenigsten leiden konnten. Wenn sie zusammentrafen ging es los und es fand kein Ende, bis sie sich wieder trennten.
Aber die Erdinger standen den Moosburgern nicht viel nach, denn diese hatten keinen guten Ruf und ein bekanntes Sprichwort sagte: Wenn du einem Reiter das Pferd nicht unterm Sattel stehlen kannst, bekommst du in Moosburg kein Bürgerrecht. So durfte man einen Moosburger selten fragen, wo er sein Pferd gekauft hat. Aber in der Holledau ist tatsächlich ein Schimmel in einer Kapelle verhungert und so ging das gegenseitige Aufziehen wieder los. Und oft kam ein Erdinger, der in Moosburg auf dem Pferdemarkt sein Ross verkauft hat, nicht nur mit dem Verkaufserlös, sondern auch mit einer Tracht Prügel nach Hause. Denn auch die Moosburger blieben den Erdingern nichts schuldig.
Als der Moosburger Zimmerermeister den Erdingern eingeredete hatte, dass man den Turm zur Kirche schieben kann, hat der Magistrat gleich eine geheime Sitzung gehalten. Hier beschloss man, dass man den Haufen Geld leicht selber verdienen könnte, und dass es dumm wäre, es dem Moosburger in den Beutel zu stecken, so dass er es versaufen könnte. Dass der Vorschlag nur aus Spaß gedacht war, haben sie nicht verstanden.
Als der Herzog sich ansagte, um mit dem Landadel eine Konferenz ab zuhalten, beschlossen sie bis zu diesem Termin den Turm an die Kirche zu schieben, um der Stadt ein schöneres Aussehen zu geben. Vor dem Tag, an dem der Herzog und die anderen Gäste kommen sollten, haben sie angeordnet, dass die ganze Stadt, ob groß oder klein, helfen müsste.
Und damit sie der Mut nicht verlässt, haben sie eine ganze Wagenladung Bier hergerichtet und sobald das getrunken wäre, hätte der Bräu noch genug im Keller gehabt.
Als der Kirchturm gesehen hat, dass es nun ernst werden würde, hat er den Kopf geschüttelt und dachte bei sich: Jetzt bin ich hier schon so lange und stand nie im Weg. Ich hatte immer meine Ruhe und jetzt auf einmal möchten mich diese Verrückten umsetzten wie einen Rettich im Garten.
Doch das wird ihnen nicht so leicht gelingen, denn man schiebt nicht so leicht 50.000 Zentner auf die Seite, wie einen Ballen Stroh. Frisch gewagt ist halb gewonnen, dachten sich die Erdinger, als sie die Bierfässer geleert hatten und packten mit Elan an. Sie schoben wie die Ochsen im Geschirr und ließen nicht nach, bevor sie sich die Schädel eingedrückt hatten. Es muss gehen und geht auch, wenn man fest zusammenhält. Als sie da so kräftig schoben, ist der Bürgermeister ausgerutscht und fiel aufs Gesicht.
Er hat sich schon bewegt, riefen alle, und liefen vor den Turm um zu sehen, wie weit er noch weg ist von der Kirche. Da sie vergessen hatten, die Wegstrecke zu markieren wussten sie nicht, wo der Turm zuvor gestanden hatte.
Nachdem sie eine Weile hin und her diskutiert hatten, meinte einer, es wäre das Gescheiteste etwas auf den Boden zu legen, auf das der Kirchturm rutschen könnte. Sodann wissen wir, wie weit er sich bewegt hat.
Da man keinen passenden Gegenstand hatte lief der Bürgermeister um seinen Mantel, den sie ausbreiteten, um dann wieder kräftig zu schieben. Ein fremder Handwerksbursche, der dem Treiben zusah, lief schnell hin und packte den Mantel und verschwand. Vor lauter Schieben und Einspreizen merkten die anderen nichts davon.
Und so verließ er die Stadt, ohne von jemanden bemerkt zu werden.
Die Erdinger schoben, bis sie rote Köpfe hatten. Und als sie nachschauten, wie weit sich der Turm bewegt hat, lag kein Mantel mehr da. Er steht schon drauf, sagten sie und mit ein paar weiteren Ruck steht er an der Kirche. Da nun aber der Kirchturm auf dem Mantel stand benötigten sie etwas anderes zum Ausbreiten und ein anderer Bürger holte den seinen, um ihn hinzulegen und die neue Stelle zu markieren.
Als sie vom Schieben so richtig durstig waren, tranken sie wieder, bis es ihnen zu den Augen rauslief, um es dann aufs Neue zu versuchen. Sie schoben was sie konnten, doch der Turm bewegte sich keinen Millimeter. Er wollte und wollte nicht auf den Mantel rutschen, gerade so als ob er ihm zu schlecht wäre.
Da sagte ein Witzmacher, der Kupferschmid Matthias: “Ich denke unser Kirchturm ist ein nobler Herr und rechnet sich zu den Großen, darum will er über den Mantel eines Kleinen nicht steigen.“ Da holte der Stadtpfleger, ein Adliger, seinen Mantel. Der war aus Samt und Seide, hatte silberne Knöpfe, einen wunderschönen Verschluss und goldene Borten.
Nun dachte jeder, dass dieser dem Turm wohl gut genug sein werde.
Man trank wieder fest und schob kräftig. Und obwohl man sich einspreizte wie ein Widder wollte er nicht gehen. Als sie wieder nachschauten, hatte sich der Turm kein Stückchen bewegt. Da standen sie nun ratlos um den Turm und sagen, dass es jetzt wohl mit dem Teufel zugehe, weil dieser wie versteinert wäre und sich überhaupt nicht mehr bewegt, obwohl es vorher so leicht gegangen s ei. „Ja ich denke schon“ ,sagt da der Triffe Loderer, „denn als der Griewe Wirt noch nicht dagewesen ist beim Schieben, ging es ganz leicht. Seit dem der mit anpackt, bockt der Turm und lässt sich um keinen Preis der Welt verrücken.“ „Ja genau“, meinte der Striezelbäcker.
Es wäre kein Wunder, wenn sich der Kirchturm schämen würde, wenn ihm ein weltbekannter Ehebrecher zu Nahe kommt wie dieser, der schon zweimal am Pranger gestanden ist und Strafe zahlen musste wegen Ehebruch und ein lediges Kind hat.
Der Kirchturm ist ein geweihtes Gebäude, der lässt sich von so jemanden nicht besudeln und entweihen. „Nun schau dir mal den Teigkneter an“, schreit da der Griewe, „da möchte mich einer runtersetzen und schlecht machen und dabei ist er selber so schwarz, dass dem Teufel graut. Wie oft haben sie den schon beim Wehr ins Wasser geschubst, weil das Brot zu klein war und wie oft ist schon der Leimkübel mitten in den Teig gefallen.“ Als sie da so streiten gibt der Wirt dem Bäcker eine Ohrfeige, dass diesem das Gesicht verzog. Jetzt ging es los. Dem Bäcker seine Freunde und Verwandten packten den Wirt, um ihm so richtig zu vermöbeln. Doch der war auch nicht von schlechten Eltern und zeigte seinen Mut. Natürlich halfen ihm auch seine Freunde und darum rauften und schlugen sich auf einmal alle, die beim Turmschieben geholfen haben.
Dem Stadtpfleger sein Mantel musste es aushalten. Auf dem stiegen und kugelten sie umher und als die Rauferei zu Ende war, musste man ihn aus dem Dreck ziehen. Er schaute furchtbar aus, so voller Dreck und Blut, wie wenn man ein Schwein drauf geschlachtet hätte. Der silberne Verschluss war kaputt und von der Borte konnte man nichts mehr sehen. Der Bäcker fiel während der Rauferei an die Kirchturmecke und wenn seine Schädeldecke nicht so dick gewesen wäre, wie ein Eichenbrett, wäre sie bestimmt gebrochen. Mit dem Kirchturmschieben war es nun vorbei.
Aber das restliche Bier wurde noch getrunken. Sodann richtete man den Stadtplatz für den Empfang des Herzogs am nächsten Tag. Am schlechtesten erging es dem Bürgermeister und Stadtpfleger. Da am anderen Tag der Herzog kommen sollte, hatten sie als echte Amtsperson keinen Mantel für die Parade beim Empfang. Auch ausleihen konnte man sich keinen, weil es in der ganzen Stadt keinen gleichwertigen mit d en amtlichen Auszeichnungen gab. Natürlich konnte er sich mit einem gewöhnlichen Bürgersmantel als höchste Amtsperson seinem Herzog nicht präsentieren.
Das verstand jeder, dass so etwas nicht geht. Der Stadtpfleger wusste gleich Rat und schickte einen Reiter gleich in der Nacht los nach Moosburg um sich den Mantel des dortigen Stadtpflegers auszuleihen. Der Moosburger Stadtpfleger lieh ihm den Mantel gerne, denn die zwei waren gut befreundet. Der Bürgermeister hatte mehr Ärger.
Er nahm sich einen gewöhnlichen Mantel zu leihen und ließ von einem Goldschmied ein Dutzend Silberknöpfe annähen.
Da merkte keiner mehr, dass die Amtsauszeichnungen fehlten. Wie am anderen Tag der Herzog kam und sie ihn feierlich empfingen hat sich dieser fast krankgelacht als er den Pfleger mit seinem Mantel wie im Fasching daherkommen sah. Denn der Stadtpfleger war klein und dick und der Moosburger recht lang und dünn.
Und so war ihm der Mantel überall zu lang und zu eng und er sah aus wie ein Ziegenhirte. Als er dem Herzog zeigte um wie viel sie den Turm zur Kirche verrückt hatten und dass der Mantel des Bürgermeister immer noch darunter liege, musste dieser schallend lachen und sprach ihnen ein Lob aus, dass sie sehr klug und tapfer gehandelt hätten und das er im ganzen Land keine solchen Untertanen mehr hätte. Auf das waren die Erdinger furchtbar stolz. Als sie wieder mal versuchten den Turm zu verrücken und sich dieser wieder nicht bewegte, sahen sie ein, dass es wohl eine Sache des Himmels sei, dass der Turm nicht zur Kirche gehört. Der Striezelbäcker macht den Vorschlag, den Turm umzubauen, damit sich keiner an seinen Ecken den Schädel einschlagen könne. Aus diesem Grund wurde dann das Rathaus angebaut.
Der Handwerksbursche, der damals bei der Turmschieberei den Mantel gestohlen hatte, den führte der Teufel geradewegs nach Moosburg runter, wo er übernachtete. Da er kein Geld hatte, aber furchtbar Hunger und Durst, hatte er den Mantel verkauft.
Der Wirt der ihn kaufte, erkannte sofort an den Knöpfen, dass es sich um den Erdinger Ratsherrnmantel handelte. Darum ließ er den Handwerksburschen gleich verhaften. Als dieser verhört wurde, gestand er sogleich, woher er den Mantel hatte. Das kam den Moosburgern gerade recht. Sie kauften ihm den Mantel ab und ließen ihn laufen. Si e ließen über die Post den Erdinger Bürgermeister wissen, dass er seinen Mantel abholen könne, der in Moosburg gelandet sei anstatt unter dem Turm.
Doch die Erdinger wollten davon nichts wissen. Und sie verleugneten die Sache. Doch es war klar, dass die Moosburger damit einen rechten Spaß hatten. Da keiner den Mantel wollte oder ihn abholte, fiel er den Moosburgern als Eigentum zu. Sie verwahrten ihn wie ein Heiligtum im Rathaus und zeigten ihn nur hohem noblen Besuch und erzählten die Geschichte, wie sie zu dem Mantel gekommen sind.
Sie hoben dabei die technischen Errungenschaften der Erdinger beim Gebäudeverschieben recht hervor und dass diese sehr berühmt und bekannt damit geworden wären, obwohl man nicht wüsste, ob sie auch in anderen Städte Kirchtürme verschoben hätten.
Die gegenseitigen Rangeleien zwischen den beiden Städten, die es seit der Übertragung der Schranne auf Erding gegeben hat, gingen weiter. In Erding hat man von den Holledauer Pferdedieben und von Moosburger Spitzbuben erzählt, die gestohlene Pferde verkaufen und vom Holledauer Schimmel der in einer Kapelle verhungert war.
Die Erdinger sangen das Holledauer Lied und die Moosburger das Erdinger Turmschieber Lied. Sie erzählten Witze warum die Stadtpfarrkirche keine Turm hat und sangen ein eigens dafür gedichtetes Ständchen:
Im Erdinger Stadtl
ist alles verkehrt und saudumm
die Stadt hat keinen Pfarrer
und die Kirche keinen Turm.
Als die Geschäfte der Erdinger Schranne eingestellt wurden, ließ auch der Neid der Moosburger nach und nah m der gegenseitigen Aufwieglerei seinen Schwung. Wenngleich die alten Geschichten und Dummheiten, die die alten Ururahnen gemacht haben sollen, nicht vergessen sind und im ganzen Umland gerne erzählt werden. Der alte Erdinger Kirchturm, von dem schon so viel erzählt und gespottet worden ist, steht heute noch an seinem alten Platz und steht auch hier vielleicht in 1000 Jahren noch. Wenn nicht ein Riesenverkehrsmittel, die immer größer und gefährlicher werden, ihn irgendwann umwirft.
Es wäre wirklich schade, wenn er hier nicht mehr stehen würde, wo wir uns so an ihn gewöhnt haben. Denn alten Kameraden mit seiner Zipfelhaube und seinem aufrechten Gesicht.